Montag, 5. Mai 2014

Phnom Penh

Nach ein paar ruhigen Tagen in Kampot machten wir uns auf in Richtung Hauptstadt Phnom Penh, die aufgrund der Feiertage auch auffallend ruhig war. Es war teilweise schwierig, etwas zu essen zu finden, da viele Restaurants zu hatten oder der Koch einfach nicht zur Arbeit kam.
Das Nationalmuseum hatte zum Glück auf und so konnten wir ein paar erste Blicke auf die kunsthandwerklichen Meisterleistungen aus dem Reich Angkor und der Zeit davor werfen. Auch der prachtvolle Königspalast war einen Besuch wert - weist aber tatsächlich starke Ähnlichkeit zum Thailändischen auf... Der Fußboden der Silberpagode ist mit 5000kg schweren Silberfliesen ausgelegt, der aber zum größten Teil zum Schuutz abgedeckt ist.






Nach so vielen Sehenswürdigkeiten haben wir uns einen halben Tag in einem (klimatisierten) kleinen Kino gegönnt und ein paar wirklich interessante Independent-Filme genießen dürfen. Um uns der bewegten Geschichte Kambodschas zu nähern, haben wir so auch den Klassiker "The killing fields" aus dem Jahr 1984 gesehen.


Von 1974-79 wurde unter der Herrschaft der Roten Khmer (Khmer Rouge) und deren Anführer Pol Pot das kambodschanische Volk um knapp 3 Millionen Menschen dezimiert - das heißt fast die halbe Bevölkerung wurde in weniger als 4 Jahren umgebracht oder starb durch die harte Arbeit und die schlechten Lebensbedingungen. Jugendliche wurden "rekrutiert" um für die Khmer Rouge Angst und Schrecken zu verbreiten - wenn sie sich weigerten, erging es ihnen wie allen anderen auch. Alle Menschen wurden gezwungen aus den Städten aufs Land zu ziehen um dort in Zwangsarbeitslagern auf den Reisfeldern zu schuften. Dabei wurde niemand verschont - Alte, Kinder, Frauen, Männer... Lehrer, Ärzte und andere Akademiker, Mönche, politische Feinde, aber auch Leute aus den eigenen Reihen wurden brutal gefoltert, eingesperrt und auf den mehr als 300 Hinrichtungsplätzen (killing fields) ermordet.

Ein verstörendes Beispiel der vielen landesweiten Gefängnisse und Folterstationen ist die ehemalige Schule Tuol Sleng S21 in Phnom Penh, die heute als Museum und Ort des Gedenkens an die Schreckensherrschaft der Roten Khmer erinnert. Die vielen Bilder der jungen Opfer gehen einem wirklich sehr nah. Auch die Geschichten der wenigen Überlebenden sind hier aufgeschrieben.

Eines dieser "killing fields" vor der Stadt Phnom Penh wurde ebenfalls als Gedenkstätte und Museum bewahrt. In einem großen Denkmal hat ein Teil der Überreste, die in den Massengräbern gefunden wurden, ihre letzte Ruhestätte gefunden. Auf einem Rundgang wird einem eindrücklich die Geschichte erzählt und es ist sehr schwer in Worte zu fassen, was man dort fühlt. Man bleibt schockiert und stumm zurück. Man fühlt sich unweigerlich erinnert an deutsche Konzentrationslager und vergleichbare Beispiele in anderen Teilen der Welt.
Man kann immer wieder nur hoffen, dass sich so etwas nicht mehr wiederholt - aber es wirkt so, als müsste jeder seine eigenen Fehler machen, um zu dieser Erkenntnis zu kommen, denn ein Blick in diverse Diktaturen weltweit zeigt leider immer wieder unverkennbare Parallelen...

Auch Jahrzehnte später ist Kambodscha immer noch ein sehr armes Land. Wenn man durchs Land reist, fällt einem schnell auf, dass es sehr viele Kinder und junge Menschen gibt - und nur sehr wenige Alte. Wirklich beeindruckend für uns ist in diesem Land die Lebensfreude und Freundlichkeit der Leute und das Lachen, das uns hier so oft begrüßt.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen