Montag, 7. Oktober 2013

La Paz - Rurrenabaque - La Paz

La Paz

Der Weg von Sucre nach La Paz war die ungemütlichste Nachtfahrt bis jetzt... Nicht nur,  dass die Bustoilette abgeschlossen war, weil der Busfahrer keine Lust hat die dann sauberzumachen - es gab in 12 h auch nur einen Toilettenstopp nachts um halb 2... Die ersten 4 h wurde ordentlich geheizt, sodass es schon unerträglich heiß war - dafür wurde die übrige Zeit auf Heizung verzichtet und es war unangenehm kalt, obwohl wir vorsorglich, wie alle Einheimischen auch, mit Decke losgezogen waren.  Na ja, dafür sind wir pünktlich und heil in La Paz angekommen und bekamen beim Reinfahren auch einen tollen Ausblick auf die Stadt im Tal und die schneebedeckten Gipfel im Hintergrund. Als Erstes sind wir zum Büro von TAM (Transporte Aero Militaria) gelaufen, zum Glück nur bergab bei 3600m. Prinzipiell wollten wir so schnell wie möglich in das Amazonas Becken fliegen, da uns eine 24-30-stündige Busfahrt auf einer Strecke mit mehreren schlimmen Unfällen pro Monat keine Alternative schien. Leider gab es am Samstag keine Flüge mehr, so wurde es Sonntag und wir konnten ein wenig Bolivien's Regierungssitz erkunden.













Nach einer kurzen Zimmersuche und Überprüfung der neusten Internetinformationen, haben wir erfahren, dass Kerstin auch mit einem Nachtbus in La Paz angekommen ist. So haben wir uns gleich verabredet und später zum Kaffee getroffen. Bis dahin haben wir uns ein Mittagsmenü gegönnt und waren im nationalen Ethnografischen Museum von Bolivien, das sehr informativ und anschaulich war.











Über unser Treffen mit Kerstin haben wir uns sehr gefreut, lange erzählt, leckeren Oreo Cookie Kuchen gegessen und erst nach Einbruch der Dunkelheit haben sich unsere Wege wieder getrennt :)
Am Sonntag morgen waren wir nochmal auf dem Hauptplatz von La Paz und haben die Kathedrale, das Parlament und den Präsidentenpalast gesehen, wo dank Evo Morales nun auch die bunte Flagge der Plurinacionalidad weht und die kulturelle Vielfalt Boliviens wiederspiegelt. 
Mittags ging es zum Flughafen und Nachmittag sind wir mit einer kleinen Propellermaschine in Richtung Rurrenabaque abgehoben.


Rurrenabaque – Parque Nacional Madidi

Der Flug war ganz schön holprig und wir hatten beide ein komisches Gefühl in der Magengegend. Die kleinen Tüten (von denen nur jeder 2.Sitz eine hatte),  hat aber niemand gebraucht. Die Aussicht war auch begrenzt durch die vielen Wolken, aber irgendwann zeigte sich ein dichter Teppich aus Grün unter uns, nur durchbrochen durch einige Flüsse, die sich durch den weiten Urwald schlängeln. Als wir aus dem Flugzeug stiegen, stieß uns (endlich!) die tropische Hitze entgegen. Krasser Wetterwechsel - von 12 Grad auf 4000m auf 40 Grad auf 235m.
Das Ausladen des Gepäcks war auch ein Schauspiel für sich, denn die Wagen waren schon mit dem Retourgepäck beladen... so wurden alle Stücke erstmal in den Dreck geworfen und dann von Neuem der Wagen beladen. Man hätte auch einfach einen der vielen leeren Wagen benutzen können ;) 
Nach 30 Minuten war das dann aber erledigt und wir sind Richtung Städtchen aufgebrochen. Wir haben eine gemütliche Unterkunft mit vielen Hängematten angesteuert und dann unsere Exkursion in den Jungle geplant. Leider sind wir am Sonntag nicht mehr fündig gewurden und haben noch eine Nacht und einen superheißen (!) Tag in Rurre verbracht, an dem wir nur zu sehr wenig mehr fähig waren als in der Hängematte zu liegen.
Rio Beni
Tapir
Pfeilgiftfrosch














Am Dienstag früh ging es dann aber los in den Parque Nacional Madidi, eines der artenreichsten Gebiete der Welt. Nach einer verregneten Nacht hat es sich zwar abgekühlt, aber gleich so sehr, dass es auf dem Boot mit dem Fahrtwind direkt "kalt" war. So machte der REGENwald seinem Namen alle Ehre auf unserer 3-stündigen Bootsfahrt auf dem Rio Beni und Rio Tuichi - alles "winzige" Seitenarme des Amazonas. 
Maccao
Tucan

















In unserer kleinen Ecolodge angekommen, haben wir unser Häuschen bezogen und gleich erstmal die Hängematten getestet. Wir wurden kulinarisch sehr verwöhnt, sowohl mittags als auch abends gab es immer ein 3 Gänge Menü... Leckeren Surubi (catfish) und Pacu (eine Art riesiger Piranha) im Riesenblatt zubereitet sowie unglaublich leckeres Rindfleisch (!), wo wir nach Buenos Aires schon nicht mehr dran geglaubt haben, so gutes zu bekommen; viel frisches Obst und Saft rundeten jede Mahlzeit ab und gaben uns ausreichend Energie, um ausgiebig den Regenwald - la selva -  zu erkunden. Mit unserem Guide Alejandro haben wir viele Wanderungen bei Tag und Nachtunternommen und unzählige Urwaldriesen, Palmen, Lianen, Farne, Flechten, Pilze usw. bestaunt und durch die Erklärungen auch wirklich viel gelernt. Besonders interessant fanden wir natürlich die medizinisch eingesetzten Heilpflanzen - der Regenwald ist wirklich wie eine große Apotheke und die indigenen Urwaldvölker wissen sich immer zu helfen. In der comunidad, wo Alejandro aufwuchs, viele Stunden mit dem Boot weiter flussaufwärts, gibt es immer noch keinen Arzt.



Natürlich zeigte sich auch die Tierwelt hin und wieder. Verschiedene Affenarten sind munter durch die Bäume geklettert und haben uns teilweise genauso neugierig beäugt wie wir sie. Riesige Gruppen wilder Pecaris sind grunzend durchs Gebüsch gesträucht und haben ganz schöne Duftmarken hinterlassen. Das hauseigene Tapir Antonio, dass als Waise aufgenommen wurde, kam auch regel mäßig vorbei, um ein Bad zu nehmen oder ein paar Bananen zu futtern. 
Die Vogelwelt umfasst geschätzte 1000 Spezies von kleinsten Kolibris bis zu den größten Greifvögeln der Welt, den Harpien. Zu unseren Favoriten zählten auf jeden Fall die rot-blauen und gelb-blauen Macaos, die als Pärchen ein Leben lang zusammenbleiben. Auch die Tucane mit ihren großen farbenprächtigen Schnäbeln konnten wir bestaunen, auch wenn diese sehr geräuschempfindlich sind. Es waren zu jeder Zeit mehrstimmige Vogelgesänge zu hören, oftmals fast übertönt von den Geräuschen der Insektenwelt. Raupen, Grillen, Zikaden aber auch unzählige Ameisen, Termiten, Moskitos und Spinnen krabbeln mehr oder weniger versteckt durchs Grün. Die Tarantula und die riesige (!!) Skorpionspinne mit ihren 20 cm langen Beinen haben uns besonders schockiert. Viele kleine Waldbewohner wie der Pfeilgiftfrosch oder kleine Schlangen sind nur mit Hilfe geschulter Augen und Ohren zu entdecken. Andere große bunte Schmetterlinge fallen sofort auf. 


Skorpionspinne




 






An einem Tag ging es mit dem Boot weiter flussaufwärts, um auf einer Insel den Sekundärwald zu bewandern. Rückzu haben wir uns im Reifen auf dem Fluss treiben lassen und konnten dabei ganz entspannt das schöne Waldufer besichtigen. Einige Stromschnellen sorgten für etwas Action beim Tubing. Eine weitere Neuheit für uns war das Fischen, nur eine Schnur mit einem Stück Fleisch dran ins Wasser halten und schon kommen die Piranhas. An der Laguna Santa Rosa gab es sogar größere Exemplare, die wir dann abends probieren konnten. Flo zeigte sich als besonders begabt und zog 8 Fische aus dem Wasser!

Tubing
Pirnha angeln



 




Nach 5 Tagen und 4 Nächten ging es dann leider wieder zurück in die "Zivilisation". Über Nacht hatte es nochmal richtig geregnet und der Fluss war um 2m angestiegen und durch das viele Treibholz war die Rückfahrt recht spannend. 
Nach einer Nacht in Rurre und etwas Entspannung in der Hängematte ging es am Nachmittag mit dem Flieger zurück nach La Paz, diesmal ein angenehm ruhiger Flug. Heute sind wir noch einen Tag in La Paz umherspaziert und haben die Überreste der kolonialen Architektur bewundert.
Morgen soll es weiter Richtung Titicaca - See gehen...
  


1 Kommentar:

  1. Ich habe mich auch sehr gefreut euch zu sehen!!!! :)
    und wow, was fuer Spinnen ihr gesehen habt....

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