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Dienstag, 11. März 2014

Banjarmasin - Kalimantan

Banjarmasin wird auch das Venedig Südostasiens genannt. Doch es sind keine richtigen Kanäle, die die Stadt durchziehen, sondern viele Flussarme. Banjamarsin liegt auf einer Deltainsel, wo die Flüsse Barito und Martapura zusammenfließen. Beide entspringen viele hundert Kilometer entfernt in den Hochländern von Borneo. Eine 18 Stunden Busfahrt lag vor uns. Wir wussten es wird nicht einfach, aber bestimmt ein Erlebnis. Den ersten Teil absolvierten wir in einem relativ großen und bequemen Bus. Es ging an endlosen Palmölplantagen und Schwalbenhäusern vorbei in den Südosten von Borneo. Schwalbenhäuser sind riesige graue Betonglötze in denen Schwalbennester produzieret werden. Diese sind in China eine Delikatesse und Heilmittel und werden sehr teuer verkauft.
2 Uhr morgens hatten wir einen Stop mitten im Nirgendwo (angeblich die Hauptstadt von Kalimantan). Bevor es 4 Uhr morgens in einem Microbus weiterging. Alles  in dem Bus war micro, besonders die Sitze. Auch wenn der Sitz nur Platz für meinen halben Körper bot, haben wir dennoch etwas geschlafen und sind einigermaßen ausgeruht in Banjarmasin angekommen. So haben wir am Nachmittag die Kanäle mit unserem super netten Guide "Mukani" erkundet. Der Fluss dient den Menschen als Badezimmer, Spielplatz, Straße und Nahrungsquelle. Bis vor drei Jahren war es auch die Trinkwasserquelle. In Banjarmasin fühlt man sich ein bisschen wie die "Queen" - alle winken und grüßen Einem freudig. Vielleicht liegt es an der Nebensaison oder hier kommen einfach wirklich wenig Touristen vorbei. Englisch wird auch kaum gesprochen, sodass wir unser Bahsa Indonesia weiter üben können. Auf dem Nachtmarkt gab es noch einen Snack.








Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen. Unser Ausflug führte zu den schwimmenden Märkten. In der Dunkelheit ging es wieder mit "Mukani" in einem kleinen Boot flussaufwärts. Wir fuhren ca. 45 Minuten und beobachteten die Menschen, die gerade ihren Tag begannen. Bis sich uns viele kleine Ruderboote/Kanus zeigten, die langsam um sich und später auch um uns herumtrieben. Es wird hauptsächlich Obst und Gemüse gehandelt. Doch auch einen kleinen Imbiss mit einer Art Pfannkuchen gab es, alles sehr lecker. Wir haben auch einen Krämerladen, der mit allem Möglichen unterwegs war, gesehen. Die Händler sind ausschließlich Frauen, die sind einfach besser bei den Preisverhandlungen. Es war toll, den Sonnenaufgang mit dem bunten Farbenspiel über dem Fluss bewundern zu können und dieses traditionelle Schauspiel beobachten zu dürfen (was nicht nur auf Touristen ausgelegt ist wie woanders). Mukani hat uns viel erklärt über das Leben auf Kalimantan und war ein wundervoller Guide.
Nachdem wir einiges an Obst, frittierte Bananen und einen kleinen Kuchen gekostet hatten, ging es wieder zurück.


















Dann hieß es Flug buchen....

Donnerstag, 6. März 2014

Pangkalanbun - Kalimantan

Ein fester Wunsch auf unserer Reise in Südostasien war es, Orang Utans im Regenwald zu beobachten. Wir sind also aufgebrochen, um uns diese eindrucksvollen Menschenaffen in ihrer natürlichen Umgebung anzuschauen. 
Mit dem Bus (4,5h für 130km!) ging es von Yogyakarta nach Semarang, wo wir die Transitzeit damit totschlugen, uns ein verhextes Haus mit "1000 Türen" (die alte Niederländische Eisenbahngesellschaft) anzuschauen (naja sagen wir mal kein Highlight). Der Flieger brachte uns am nächsten Tag nach Pangkalan Bun auf Kalimantan, wie der indonesische Teil Borneos genannt wird. Das ist ein guter Ausgangspunkt, um den Tanjung Puting National Park per Boot zu erkunden. Am nächsten Früh gings los mit unserer Führerin Nina auf unser Hausboot - genannt "klotok" -  für die nächsten 5 Tage inklusive Kapitän, Assistent und Köchin. Es war einfach ausgestattet aber völlig ausreichend und auch an die Eimerdusche mit Flusswasser haben wir uns gewöhnen können ;) Selbst unsere Sprachkenntnisse in Bahasa Indonesia haben sich rapide gesteigert - was die Kommunikation mit der Crew deutlich unterhaltsamer gestaltete.
Das indonesische Essen war super lecker, unsere Köchin hat uns richtig verwöhnt.


Das Deck diente uns als Schlafplatz, Essbereich und Aussichtsplattform in Einem. Am Flussufer und Waldrand bekamen wir viele Schlangen, Krokodile, Schmetterlinge und Eisvögel zu sehen. 



Es gab sehr viele Langschwanz-Makaken, die sich in Wassernähe tummelten. Auch die nur auf Borneo heimischen Nasenaffen bekamen wir mehrmals zu Gesicht, vor allem frühmorgens und abends, wenn sie ihr Nachtlager direkt am Ufer aufsuchen. Die Einheimischen nennen sie auch "Holländer-Affen" (weil sie meinen, die roten Nasen ähneln denen sonnenverbrannter Europäer ;) ) Nur die Männchen haben die charakteristische Knollnase, was auf viel Testosteron schließen lässt. Die Weibchen und Jungtiere haben eine hübsche Stupsnase.

Von unserem Ausguck hat Flo gleich nach dem Start schon die ersten 2 wilden Orang Utans in den Bäumen gesichtet, die aber durch die Bootsgeräusche schnell außer Sichtweite verschwanden. 

Orang Utan kommt aus dem Indonesischen/Malayischen und bedeutet "Mensch des Waldes". Bei den Exemplaren, die wir zu Gesicht bekamen, handelt es sich hauptsächlich um halb-wilde Orang Utans, die irgendwann einmal in der Schutzstation behandelt wurden oder von Behandelten abstammen. An den Camps im Park gibt es mehrere Futterstellen, an denen die Riesen zusätzlich mit Milch und Bananen versorgt werden, da das Gebiet, in dem sie Nahrung finden können, leider immer kleiner wird. Täglich bis zu 20kg an Früchten und Insekten braucht ein ausgewachsener Orang Utan. Obwohl im Februar schon sehr viele andere Früchte im Wald reif sind, kamen doch immer noch einige vorbei. Dabei bekommt man sie meist aus nächster Nähe zu Gesicht, da sie Menschen nicht als unmittelbare Bedrohung empfinden. Viele der Muttis brachten ihre Kinder mit, die sie 5-8 Jahre ganz eng bei sich behalten. um sie auf das Leben in der Wildnis vorzubereiten. Das ist die längste Elternzeit im Tierreich.
Ein weiterer treuer Besucher war ein Gibbon, welcher in seiner extraordinären Art sich zu bewegen, sehr lustig anzuschauen war. Einfach nur schön. 
All diese fantastischen Geschöpfe in ihrer eigenen Umgebung zu sehen, ist unbeschreiblich. Es ist einfach atemberaubend, wie gekonnt sie durch den Wald klettern. Am meisten genossen haben wir die ruhigen Momente, wenn all die anderen Touris schon weg waren und nur noch wir als stille Beobachter verweilen konnten. 

















Wir haben auch ein paar Wanderungen bei Tag und Nacht durch den Wald gemacht und dabei viele interessante Pflanzen und Tiere zu sehen bekommen. Wildschweine, Rehe, Nashornvögel (hornbills), Taranteln, Raupen uvm. 

Doch uns fiel auch auf, dass der Wald hier in viel schlechterem Zustand ist als der Regenwald, den wir in Südamerika gesehen haben. Fast alles, was wir vom Regenwald gesehen haben, war sehr junger Wald. Nina berichtete uns, dass ein Großteil der Fläche hier durch Waldbrände im Rahmen von Rodungen oder "Unfällen" vernichtet wurde und erst seit einigen Jahrzehnten langsam nachwächst. Man findet kaum mehr wirklich alte Bäume, da diese alle als Tropenholz geschlagen wurden. Neben Holzwirtschaft und Rodung für Landwirtschaft sind Palmölplantagen eine der größten Bedrohungen für den Regenwald und das nicht nur hier. Erschreckenderweise ist die EU der größte Abnehmer des indonesischen Palmöls...
Die Zerstörung ihres Lebensraumes ist die größte Gefahr für die Orang Utans - und all die bekannten und unbekannten Spezies des Regenwaldes. 
Wir haben am Ende noch 2 Bäume gepflanzt, an einer Stelle, die durch  Brandrodung zerstört wurde. Wir hoffen, dass wir eines Tages schauen können, wie es ihnen ergangen ist. 

Auf dem Rückweg haben wir noch einmal die Idylle des Waldes um den Fluss auf uns wirken lassen, bevor wir wieder auf den schmutzigen, braunen Hauptfluss zurückkehren mussten. 
Ein Unterscheid wie Tag und Nacht zu dem spiegelklarem Wasser im Fluss im Nationalpark. Wir erfuhren, dass auch der Zufahrtsfluss bis vor wenigen Jahren so rein gewesen sein soll wie der Fluss im Nationalpark, bevor illegale Goldminen flussaufwärts begannen ihre Abfälle in den Fluss umzuleiten. Seitdem ist der Fluss gekippt und die Schwermetallbelastung in den verbleibenden Fischen alarmierend hoch.

All diese erschreckenden Einblicke in den Raubbau an der Natur zu bekommen, hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Trotzdem hatten wir 5 ereignisreiche, tolle Tage im Nationalpark auf unserem Klotok und sind froh, dass wir die verbleibenden Orang Utans in ihrer bedrohten Heimat sehen durften.