Mittwoch, 4. Dezember 2013

Mehr Galapagos

Nach unserer ersten Ecuador-Reise vor 3 Jahren hatten wir uns vorgenommen, beim nächsten Mal Galapagos zu besuchen. An einem verregneten Sonntag in Quito widmeten wir uns der Organisation und am 19. November ging es auch gleich los. In Quito hat sich einiges getan, seit es zur Kulturhauptstadt und Best City South America's gewählt wurde. Die Busbahnhöfe und der Flughafen sind alle brandneu. (Leider braucht man nun fast eine Stunde mit dem Taxi). Wir waren 2h früher da und konnten so ganz entspannt unsere Sachen durchsuchen lassen. Alle Gepäckstücke werden geröntgt und durchsucht, damit man keine Tiere und Pflanzen einschleppt. Zum Glück ging unser Flieger planmäßig, alle anderen wurden nämlich gecancelled.

Wir sind von Quito über Guayaquil nach San Cristobal, der östlichsten der Galapagos-Inseln, geflogen. Zufällig fanden wir auch gleich ein günstiges Apartment mit Meerblick und Schnorchelausrüstung inklusive, sodass wir direkt aufbrechen konnten, um die Unterwasserwelt zu erkunden. Im kühlen Pazifik sind große Meeresschildkröten, zahlreiche bunte Fische und Seelöwen an uns vorbei geschwommen. Die Seelöwen haben mit uns gespielt und uns immer wieder umkreist.

Da wir noch 2d hatten bis unsere kleine Kreuzfahrt startete, haben wir uns nach einem Tauchausflug erkundigt, leider waren alle Boote zu unserem Wunschziel „Kickers Rock“, an dem man Hammerhaie bestaunen kann, ausgebucht. So sind wir noch einmal schnorcheln gegangen und haben die Iquanas auf den Felsen beobachtet. Die waren sehr faul und haben sich von der Sonne wärmen lassen. Es ist sehr leicht die Tiere hier zu beobachten, da sie keine Angst vor Menschen haben und nicht flüchten.

Am 21.November startete unsere Kreuzfahrt auf der Insel Santa Cruz, so mussten wir früh mit dem Speedboot übersetzen, wobei wir leider im langsamsten Boot landeten und über 3 Stunden brauchten. So konnten wir uns nicht mehr viel auf Santa Cruz anschauen, denn es ging gleich mit dem Taxi zur Ablegestelle auf der anderen Seite der Insel. Dort gabs jede Menge Pelikane und Tölpel, die sich senkrecht ins Wasser stürzten und sich so über die vielen Fische im türkisblauen Wasser hermachten.
Am Pier wurden wir dann vom Beiboot abgeholt und haben unser Schiff, die Floreana, in Augenschein genommen. Unsere kleine Kabine samt Bad war ganz vorne und sehr gemütlich. Unsere Gruppe war eine gute Mischung, was Alter und Nationalitäten anging und unser Guide Victor war auch ein lustiges Kerlchen. Unser Tagesprogramm bestand meistens aus 2 Landgängen und 2 Schnorchelausflügen. Hier wollen wir euch erstmal von den erlebnisreichen Landgängen berichten. Das Schnorcheln folgt später. Das war super!

           
Nach dem Mittag ging es noch einmal zurück an Land nach Santa Cruz und wir haben einen Ausflug zu den riesigen Landschildkröten unternommen, die hier auf der ganzen Insel frei hin- und herwandern können. Das sind wunderschöne Tiere von beeindruckender Größe. Sie können Hunderte Jahre alt werden (in Gefangenschaft dokumentiert über 260 Jahre) und bis zu 250kg schwer. Früher sollen einige der Inseln quasi mit Schildkröten „bedeckt“ gewesen sein, bis die Walfänger (und Kolonisten) die Anzahl stark dezimierten, weil sie die zähen Riesen als lang haltbare Nahrungsquelle für ihre Seefahrten nutzten.
Die Panzer von innen zu betrachten, war auch eine interessante Erfahrung.
Am Abend stellte sich die ganze Crew vor und es gab eine leckere Runde Pina Colada zur Begrüßung. Über Nacht sind wir bei angenehm ruhiger See zur nördlichsten der großen Inseln, Genovesa, gefahren und haben dabei das erste Mal den Äquator gekreuzt. Auf unseren beiden Landgängen haben wir zahlreiche Nasca-Tölpel (Tölpel = boobies), Rotfuß-Tölpel, Fregattvögel, Darwin-Finken und zahlreiche weitere Vögel gesehen, von denen es viele der Arten nur hier auf Galapagos gibt. Besonderes Glück hatten wir die Kurzohren-Eule zu sehen. Entlang der Steilküste genossen wir ein paar spektakuläre Aussichten, inklusive Regenbogen, und einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Von Genovesa ging es in der Nacht weiter nach Santiago und Bartolome. Die Fahrt war etwas rauh, sodass es dem Einen und der Anderen etwas schlecht ging. An Deck mit Blick auf den Sternenhimmel ließ es sich aber aushalten ;) Früh empfing uns der bekannte Pinnacle-Felsen mit einer grandiosen Aussicht.
Auf der Insel Santiago, die geschätzte 3,5 Millionen Jahre alt ist, kann man auf der neueren Seite die Reste einer Vulkan-Eruption aus dem 19. Jahrhundert sehen. Eine einzige Lava-Landschaft, die die ursprüngliche Insel um viele Kilometer vergrößert hat, aber die noch nicht bewachsen ist. Die schwarzen Lava-Ströme durchziehen in verschiedenen Konfigurationen die karge Landschaft.
Unsere persönlichen Lieblinge waren die kleinen Pinguine, die die am nördlichsten lebenden Pinguine überhaupt und die Einzigen ihrer Art in den Tropen, sind.

Nach einer Siesta und dem Schnorcheln ging es an Land nach Bartolome, wo brauner Sand und nur wenig Vegetation, bestehend aus einigen Pionierpflanzen, auf uns warteten. Vom höchsten Punkt der Insel hat man ein tolles Panorama über die umliegenden Inseln und vor allem vom Pinnacle und Santiago. Den Sonnenuntergang erlebten wir, während wir zum Sombrero Chino (Chinesenhut) navigierten, der seinen Namen seiner typischen Form verdankt. Wir sahen einige große „Tiere“ hoch aus dem Wasser springen und Victor erklärte uns, dass das die Rochen sind, die sich so von Parasiten reinigen. Wieder was gelernt... Den Abend verbrachten wir beim ecuatorianischen Kartenspiel „40“ mit dem Koch.

Am Sonntag sind wir einmal um den "Chinesen-Hut" gelaufen und waren am schönsten weißen Sandstrand überhaupt. Dort haben wir sogar live eine Seelöwen-Geburt beobachtet, das war ganz schön dramatisch. Ein Bussard saß in der Nähe und wartete auf die Plazenta. Außerdem gabs viele leuchtend rote Krebse, Meeres-Iguanas und kleine Echsen.




Über Mittag fuhren wir auf die westliche Seite von Santa Cruz zur Bahia Ballena (Walbucht), wo die Walfängerkolonnen früher anlegten, um Vorräte aufzufüllen und Gelage zu veranstalten. Auf unserem Spaziergang fanden wir 2 der wieder neu hier angesiedelten Risenschildkröten. Durch die eingeführten fremden Spezies wie Ziegen, Katzen, Ratten, Insekten usw. wurden viele der einheimischen Arten zu Beute bzw. in ihrem Lebensraum stark eingeschränkt. Deshalb führen die Guides genau Protokoll, wo sie wievielen „feindlichen Spezies“ begegnet sind und diese werden dann in aufwendigen Jagdprojekten „ausgeschaltet“. Etwas paradox, dass so viele Tiere sterben müssen, um andere Arten zu erhalten...

Über Nacht reisten wir weiter bis nach Puerto Villamil im Südosten der größten Insel, Isabela. Dort erwartete uns ein sehr schöner Naturhafen und ein Ausblick auf Sandstrand und viele Kokospalmen. Unser erster Bootsausflug ging nach „Las Tintoreras“, eine geschützte Schlucht, wo sich die „tintoreras“ - die Weißspitzen-Riffhaie – tagsüber ausruhen und Schutz vor der Strömung suchen, bevor sie nachts auf Jagd gehen. Im kristallklaren Wasser sahen wir bis zu 8 Haie auf einem Haufen liegen und einige wenige, die hin- und herschwammen.
Im Wasser gab es jede Menge Meeresschildkröten, sodass die Bootsfahrt einem Hürdenlauf glich.
Die vielen Marine Iguanas lagen wie immer faul herum, immer ein großes dickes Männchen und sein Harem an Weibchen. Ab und zu, wenn ein anderes Männchen zu nahe ins Revier vorstößt, beginnen die Männchen drohend zu nicken. Selten wird aber wirklich gekämpft. Ansonsten ist das einzige Geräusch, das sie von sich geben, eine Art niesen, da sie beim Fressen der Algen zu viel Salzwasser aufnehmen.
 
















Nach einer entspannten Siesta gings an Land zur Zuchtstation für Riesenschildkröten auf Isabela. Hier werden 4 Arten der Riesen von verschiedenen der westlichen Inseln von der Geburt bis zu einem Alter von 8 Jahren und einer Größe von 20cm betreut, bevor sie wieder an ihrem ursprünglichen Ort ausgesetzt werden. Die Eier werden gesammelt und in der gleichen Position bebrütet, je nach Temperatur kommen nach der Inkubation Männchen oder Weibchen raus. In einem Projekt werden einheimischen Kindern Patenschaften für ihre Zöglinge übertragen und so das Bewusstsein für die einzigartige Natur der Inseln gestärkt.
Weiterhin sahen wir schöne Große Flamingos, die mit ihren Schnäbeln die Algen nach kleinen Krebsen filterten.
Den restlichen Nachmittag hatten wir Freizeit. Diese verbrachten wir am Strand und beim Coco Loco trinken. Interessant war noch die Kirche mit dem Altarbild, wo Jesus vor traumhafter Strandkulisse schwebt und jedes Kirchenfenster ein Galapagos-Tier darstellt.

Über Nacht wurde wieder weiter gefahren bis zur Ostseite von Fernandina. Als erster Punkt stand die Besichtigung der Mangroven auf dem Tagesprogramm. Auf Galapagos gibt es 4 endemische Mangrovenarten, die alle unter Naturschutz stehen, da sie sehr wichtig für den Landerhalt sind. Auf Fernandina gibt es rote und weiße Mangroven, diese beiden Arten unterscheiden sich hauptsächlich in der Blattgröße. Beide haben weiße Stämme, was den Name der einen Art bestimmte. Am Strand und an der Küste saßen viele "flightless" (flugunfähige) Cormorane, die mit ihren Stummelflügeln zwar nicht mehr Fliegen können, aber geschickte Taucher sind und bei der Fülle an Fischen damit gut überleben können. Vor 9 Jahren war auf Fernandina der letzte Vulkanausbruch, der mit Lavaströmen und Gasexplosionen sehr spektakulär war - dies ist ein gutes Beispiel wie aktiv die gesamte Region ist. Die Adaption der einzelnen Lebewesen an unterschiedliche Inseln zwingt die Marin-Iguana-Weibchen zur Eiablage bis in den Vulkankrater, weil das der einzige Ort auf der Insel mit weichem Sand ist. Viele schaffen den Weg nach der Eiablage nicht wieder heraus.















Nach einem weiteren Landbesuch auf der gegenüberliegenden Insel Isabela in einer alten Walfängerbucht, ging es weiter um die Nordspitze der Insel. Leider ging es Flo nicht gut, so dass wir diese Wanderung gar nicht richtig genießen konnten und auch keine Land-Iguanas gesehen haben.

Über Nacht erfolgte unsere längste Navigation bis zur Insel Santiago, diesmal sind wir auf der Westseite angekommen. Zu Beginn der Fahrt wurden wir das erste Mal von Delfinen begleitet, die auch am nächsten Morgen an unserem Ankerplatz auf uns warteten. Unser Kapitän, der sonst eher ein ruhiger Kollege war, war vollkommen aus dem Häuschen und ist über das Boot gesprungen und hat wild gehupt. Wir glauben, er mag Delfine  ;)  Und man sieht sie nicht so oft hier. Auf Santiago gab es superfeinen schwarzen Sandstrand und wieder viele Seelöwen, wobei besonders die Kleinen sehr verspielt waren. Auf den nahe gelegenen Felsen haben wir Krebse beim Liebesspiel beobachtet, die haben sich im wahrsten Sinne flachgelegt und wir alle haben unsere voyeuristische Ader entdeckt ;) 






Auf Galapagos gibt es zwei Arten von Seelöwen die "Galapagos Seals" und die "Fur Seals". Letztere haben wir das erste Mal richtig auf Santiago gesehen, sie sind etwas kleiner und ihre Nase ist deutlich kürzer. Sie schlafen tagsüber und jagen nachts. 

Im Anschluss sind wir weiter nach Rabida gefahren, eine von Stefanie's Lieblingsinseln. Schon von Weitem hat die Insel rot in der Sonne geleuchtet. Nach dem Anlanden sind wir über den schönsten roten Sandstrand gelaufen, den man sich vorstellen kann. Die Boobies haben sich ohne Pause pfeilschnell ins Wasser gestürzt. Die Pelikane waren ebenfalls eifrig beim Fischen. Später beim Schnorcheln, haben wir auch gesehen warum - da sind die Boobies (Tölpel) - zum Teil direkt neben uns - ins Wasser eingeschlagen und haben die riesigen Fischschwärme gejagt. Am Strand haben sich wie immer die Seelöwen und Iguanas gesonnt. Weit und breit waren keine anderen Boote in Sicht. Unsere Exkursion ins Hinterland offenbarte eine kleine Salzwasserlagune, in der zwei Flamingos rasteten und ein Seelöwen-Männchen Rückenschwimmen übte. Auf dem Weg zum Aussichtspunkt säumten gelb blühende Kakteen den Wegesrand.
 




Im Sonnenuntergang wurde das Rot der Insel immer dunkler.
Das war der letzte richtige Tag unserer kleinen Kreuzfahrt durch die fantastische Inselwelt von Galapagos. Den Abschluss bildete das "Captain's Dinner", bei dem wir wieder mit Pina Colada verwöhnt wurden. Wir haben unser Äquator-Patent erhalten, für erfolgreiches 4- maliges Überqueren mit unserem kleinen Schiff. Die letzte Nacht bot den schönsten Sternenhimmel überhaupt...

Am nächsten Morgen ging es Richtung Anlegestelle auf Baltra. Auf dem Weg dorthin haben wir einen kleinen Zwischenstopp bei Daphne Mayor eingelegt. Diese für Landgänge gesperrte Vogelinsel zeigte nochmal die einzigartige Vielfalt an Vögeln, die wir hier erleben durften. Dann ging es leider endgültig von Bord...

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